Zurück
{infos}
 

 

Die richtige Entscheidung?


Obi-Wan Kenobi blickte reglos in die Flammen, die den toten Körper seines Meisters verzehrten. Der Schock über Qui-Gons Tod saß tief und noch immer konnte er es nicht fassen, daß es seinen Lehrmeister nicht mehr geben sollte. Mit Entsetzen erinnerte er sich daran, wie nahe er der Dunklen Seite gekommen war, als er voller Haß und Wut auf den Sith-Lord, der seinen Jedi-Meister getötet hatte, einschlug. Es war ihm bewußt, daß er diesen furchtbaren Gegner nur mit Hilfe der Dunklen Seite der Macht besiegt hatte. Bei diesem Gedanken schauderte es ihn. Er wandte sein Gesicht dem kleinen Jungen zu, der neben ihm stand und sah in dessen Augen Tränen schimmern. Dieser Junge, Anakin Skywalker, war Qui-Gons Vermächtnis an ihn. Würde er es schaffen, ihm ein guter Lehr-meister zu sein? War es überhaupt die richtige Entscheidung, ihn auszubilden? Obi-Wan hatte, genau wie das Jedi-Council, heftige Zweifel. Für Qui-Gon gab es nie einen Zweifel, daß der Junge von Tatooine der von der alten Prophezeiung versprochene Auserwählte war, der der Macht das Gleichgewicht bringen soll. Doch wie konnte er so sicher sein? Unterschwellig spürte Kenobi, daß von dem Jungen eine Bedrohung ausging. Auf Coruscant hatte er mit seinem Meister darüber gesprochen, doch dieser war für seine Argumente nicht zugänglich und empfand den Widerspruch seines Padawan als Respektlosigkeit. Fast wäre es zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden gekommen. Doch der Tod Qui-Gons hatte alles verändert. Als Obi-Wan seinen sterbenden Meister in den Armen hielt, konnte er nicht anders und gelobte ihm, daß er Anakin zum Jedi-Ritter ausbilden würde. Er fühlte sich an dieses Versprechen gebunden und würde alles daransetzen, das Jedi-Council zur Zustimmung zu bewegen. Er war sich kaum bewußt, daß er zu dem kleinen Jungen sprach. "Du wirst ein Jedi-Ritter werden. Das verspreche ich Dir." Dann wandte er sein Gesicht wieder den Flammen zu, die ihr Werk der Vernichtung fortsetzten.

© Claudia Riedel 1999

 

{feld}